Ayurveda-Basiswissen

Ayurveda - das Wissen vom Leben

Übersetzt bedeutet Ayurveda „das Wissen vom Leben“ – und genau darum geht es: nicht nur um Gesundheit im klassischen Sinne, sondern um ein bewusstes, ausgeglichenes und erfülltes Leben.


Ayurveda hat seinen Ursprung in Indien und blickt auf eine über 5.000 Jahre alte Tradition zurück. 


Ayurvedisches Wissen wurde erst mündlich und dann später schriftlich überliefert. Die Texte sind oftmals eine Sammlung unterschiedlicher Autoren. Als Quellen der Weisheit, "Samhitas", sind vor allem die "Brhattrayi", die "Großen Drei" hervorzuheben:


Caraka Samhita        (Sammlung des Wanderers)

Sushruta Samhita    (Sammlung des Berührten)

Ashtanga Hridaya    (Sammlung des achtgliedrigen Heilsystems)


Die Caraka Samhita ist die älteste und für viele auch die wichtigste Textsammlung in der Ayurveda-Medizin. Das umfangreiche Werk mit acht Büchern befasst sich besonders tiefgehend mit der inneren Medizin und Pancakarma (Reinigung). In ihr ist das gesamte ayurvedische System fertig entwickelt. 



Der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele

Obwohl die Lehre des Ayurveda so alt ist, bietet sie erstaunlich moderne Antworten auf die Herausforderungen unserer heutigen Zeit – Stress, Erschöpfung, Schlafprobleme oder das Gefühl, dauerhaft „unter Strom“ zu stehen.


Im Ayurveda wird der Mensch immer als Einheit betrachtet:

Das Leben (ayus) besteht aus der Verbindung von Körper, Geist und Seele (das Selbst).

Diese drei sind untrennbar miteinander verbunden.


Gerät eines dieser Systeme aus dem Gleichgewicht, wirkt sich das auf die anderen Ebenen aus.


Gesundheit bedeutet im Ayurveda daher nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern vor allem, mit seiner individuellen Natur zu leben.


Die Fünf Elemente

Auf Basis einer von sechs wichtigen Philosophien Indiens, "Sankhya", die auch für den Ayurveda große Bedeutung hat, betrachtet Ayurveda den Mikro- und Makrokosmos als sich entsprechend. Alles besteht aus den gleichen fünf Elementen



  • Äther/Raum
  • Luft
  • Feuer
  • Wasser
  • Erde


Das Universum, Mensch, Tiere und Pflanzen werden von diesen Elementen durchdrungen.


Die drei Doshas

Ein zentrales Konzept im Ayurveda sind die sogenannten Doshas. Doshas sind funktionale, dynamische Prinzipien, die in der Lage sind, bestimmte Eigenschaften und Funktionen im Körper hervorzurufen. Es gibt drei von Ihnen: Vata, Pitta und Kapha. Jedes Dosha besteht aus zwei der fünf o.g. Elemente.


Vata steht für Bewegung – es ist verbunden mit Luft und Raum. Menschen mit viel Vata sind oft kreativ, flexibel und lebendig, neigen aber auch zu Unruhe oder Stress.


Pitta steht für Transformation – verbunden mit Feuer und Erde. Pitta-Typen sind zielstrebig, strukturiert und leistungsorientiert, können aber auch schnell in Überforderung oder Gereiztheit geraten.


Kapha steht für Stabilität – verbunden mit Erde und Wasser. Diese Menschen sind ruhig, beständig und ausgeglichen, neigen jedoch manchmal zu Trägheit oder Antriebslosigkeit.


Jeder Mensch trägt alle drei Doshas in sich – aber in seiner ganz individuellen Ausprägung (prakriti), die unveränderlich ist  und die der Mensch seit seiner Geburt hat, deren Einflüsse sich aber im Laufe des Lebens verändern können, je nach Alter, Lebensstil etc. und möglicherweise eine "Störung" verursachen (vikriti) können.


Beim einen überwiegt z.B. Vata, beim anderen Pitta beim nächsten Kapha. Es gibt aber auch nicht wenige sogenannte "Mischtypen", die zwei Doshas in sich vereinen. Und einen Tridosha-Typ, bei denen alle drei Energien in etwa gleich stark ausgeprägt sind.


Wichtig: Kein Dosha ist besser als das andere!


Der Schlüssel des Ayurveda liegt darin: Es gibt keine Standardlösung. Was für den einen gesund ist, kann für den anderen aus dem Gleichgewicht bringen.



Die ayurvedischen Körperkomponenten

Ayurveda beschreibt - zur Vereinfachung - zwei Gruppen von Körperkomponenten.

Alle fünf Elemente bilden die Doshas. Agni natürlich - das Feuerelement - sowie auch alle materiellen Körperstrukturen bestehen aus den fünf Elementen (Panca Mahabhutas).


Funktionelle Komponenten (physiologische Komponenten)


  • 3 Doshas
  • Agni  (Jatharagni, 5 Bhutagnis, 7 Dhatvagnis)


Strukturelle Komponenten (anatomische Komponenten)


  • 7 Dhatus
  • 7 Upadhatus
  • Malas
  • Srotas

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Agni (das Verdauungsfeuer) ist das zentrale Prinzip der funktionellen Komponenten des Körpers. Es arbeitet direkt mit den Doshas zusammen und wirkt auf die strukturellen Komponenten ein.


Drei Lebensphasen

Ayurveda gliedert das Leben in drei wesentliche Abschnitte: von der Kindheit und Jugend über die aktive Lebensmitte bis hin zur  Reife des Alters.


Jede dieser Phasen wird von spezifischen Aspekten geprägt, die die körperliche, geistige und seelische Entwicklung beeinflussen. Je nach dominierender Phase variieren auch die Gewichtungen der Doshas.


Unabhängig von der persönlichen Konstitution (Prakriti) dominiert in der Kindheit das Kapha-Dosha. In der Lebensmitte ist Pitta maßgeblich, während im Alter Vata überwiegt und in dieser Phase häufig für diverse Veränderungen und Beschwerden verantwortlich ist.


In dieser Hinsicht fungiert der natürliche Lebenszyklus als bedeutender Wegweiser für deine persönliche Gesundheits- und Lebensbetrachtung, um deine individuelle Konstitution mit ihren Potenzialen und Fähigkeiten auf authentische Weise zu erkunden und weiterzuentwickeln.

Ayurveda in unserem Alltag

Ayurveda lädt uns dazu ein, uns selbst besser kennenzulernen. Es geht darum, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen und im Alltag entsprechend zu handeln.


Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ernährung. Im Ayurveda gilt: Nahrung ist Medizin. Doch es geht nicht um strenge Regeln oder Verbote, sondern um Achtsamkeit. Was esse ich? Wann esse ich? Und wie fühlt sich mein Körper danach an?


Auch Tagesroutinen, sogenannte „Dinacharya“, spielen eine große Rolle. Kleine Rituale wie ein ruhiger Start in den Tag, regelmäßige Mahlzeiten oder bewusste Pausen können bereits einen enormen Unterschied machen.

Ebenso wichtig ist der Umgang mit Stress. Ayurveda bietet hier viele einfache, aber wirkungsvolle Ansätze – von Atemübungen über Meditation bis hin zu kleinen Veränderungen im Alltag, die mehr Ruhe und Stabilität bringen.

Eine ayurvedische Morgenroutine

Eine typische Morgenroutine im Ayurveda umfasst eine ganzheitliche Reinigung von Körper, Geist und Sinne.


Der Morgen könnte folgendermaßen gestaltet werden (idealerweise bereits vor Sonnenaufgang):


  1. Nach dem Aufstehen sollte man direkt 1-2 Gläser warmes Wasser trinken, um die Verdauung anzuregen.

  2. Für die Mundhygiene wird ein Esslöffel Öl (entweder Sesam- oder Olivenöl) im Mund hin- und her bewegt. Dieses Öl bitte nicht schlucken, sondern in ein Tuch spucken, im Müll entsorgen und anschließend den Mund mit Wasser ausspülen.

  3. Danach wird die Zunge mit einem Zungenschaber, beginnend am hinteren Gaumenbereich, abgeschabt. Alternativ kann auch ein kleiner Löffel verwendet werden. Diese Methode entfernt überschüssige Beläge von der Zunge, fördert Frische und hilft, Mundgeruch vorzubeugen. Nach einem kurzen Ausspülen mit Wasser werden die Zähne wie gewohnt geputzt.

  4. Anschließend erfolgt eine Einölung des Körpers, einschließlich Kopfhaut, Ohren und Füßen.

  5. Während das Öl einzieht, kann man entweder eine Nasenspülung (Nasayana) durchführen oder auch Yoga, Tai Chi oder Qi Gong praktizieren.

  6. Der nächste Schritt ist eine warme Dusche, bei der das Öl mit Kichererbsenmehl (Vorsicht: mögliche Abflussverstopfung) oder Salz entfernt werden kann. Alternativ kann man es einfach mit warmem Wasser abspülen und dabei etwas auf natürliche Weise hergestellte Seife verwenden.

  7. Eine stille Meditation bringt Erdung und die nötige Achtsamkeit für den Tag.

  8. Dieser morgendliche Beginn wird mit einem Frühstück abgerundet, bei dem am besten ein warmer Haferbrei (Porridge) mit gedünsteten Früchten serviert wird.

Was Ayurveda so besonders macht, ist seine Ganzheitlichkeit. Es geht nicht um kurzfristige Optimierung, sondern um nachhaltige Balance. Nicht darum, perfekt zu sein, sondern im Einklang mit sich selbst zu leben.


Ihr Wohlbefinden ist kein Zufall – sondern das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen im Alltag.

Sie haben die Möglichkeit, diese Entscheidungen bewusst zu gestalten.


Ayurveda ist kein starres System.

Es ist eine Einladung – sich selbst wieder näherzukommen, die eigenen Signale ernst zu nehmen und Schritt für Schritt mehr Balance ins Leben zu bringen.


Die oben dargestellten Informationen stellen nur einen winzigen Ausschnitt des umfangreichen Wissens dar, das in alten Textsammlungen wie der Caraka Samhita zu finden ist. In der nahen Zukunft werde ich weitere Inhalte auf meiner Homepage hinzufügen.


Bleiben Sie neugierig!


Namaste!